Die Tür - Experimentalfilm


FACTS:
Die Tür — Experimentalfilm
mit dem Filmhaus Bielefeld, 2022–2023
Konzept, Regie & Musik: Artur Klassen
Gewinner des 31. Gütersloher Kurzfilmfestivals
Setfotografie: Alexander Hidic


„Die Tür“ ist in ihrem Kern eine Parabel auf die heutige Wissensgesellschaft. Die Verteilung von Information und die Herausbildung von gesellschaftlichen Strukturen war schon immer gebunden an ein Netzwerk von Wissensträgern und systemischen Akteuren. Persönliche, kollektive und räumliche Identitäten leben eingebettet in einer sozialen Umwelt und stehen fortlaufend in Wechselwirkung miteinander. In einer Analogie zum Luhmannschen Zettelkasten entwickelt die Tür Szenarien, in denen sechs Individuen mit sich selbst und ihrer Lebensweise konfrontiert werden. Aus dem Regiekommentar, 2023

Was ist Illusion und Wirklichkeit? Die Bewohner einer mittleren Großstadt suchen eine alte verlassene Druckerhalle am Rande eines Waldstücks auf. Hier wird ihnen versprochen, mehr über sich selbst erfahren zu können — doch jeder Besucher hat einen individuellen Preis zu bezahlen. Ein eigenartiger Pförtner empfängt die Suchenden und überreicht ihnen jeweils einen auf sie zugeschnittenen Schlüssel. Das Öffnen der Tür läutet schließlich eine Reise ein — der Raum als Spiegel ihrer selbst.

Trailer · Plakat · Presskit · Westfalen-Blatt
Die Tür — Filmplakat Plakatdesign: Sebastian Ritter
WerktextExperimentalfilm, 2023 · Ein Film von Artur Klassen · Produktion: Filmhaus Bielefeld
Die Tür ist in einem stillgelegten Druckhaus in Bielefeld und im Wald an den Sieben Teichen entstanden. Die Orte waren keine Kulissen, sondern Ausgangspunkte. Am Anfang stand keine fertige Geschichte, sondern eine Anordnung: ein Raum, ein Rahmen, eine Frage. Der Raum erzählt. Das Drehbuch war ein Rahmen, kein Fahrplan. Der Film entstand im Wechsel von Setzung, Inszenierung und Beobachtung. Auf Grundlage der seit 2015 entwickelten Sechs-Echos-Erzählwelt wurde ein gemeinsamer Erfahrungsraum geschaffen: viele Beteiligte, unterschiedliche Wahrnehmungen, eine klar gesetzte Struktur – präzise im Rahmen, offen im Ausgang. Eine von Migration und dem Zerfall der Sowjetunion geprägte Familiengeschichte schärft den Blick dieser Arbeit für Übergänge. Mit den Sechs Echos und der dokumentarischen Arbeit auf Lesbos wurde daraus eine künstlerische Praxis.
Werktext vollständig lesenWerktext einklappen Die Halle wird als modellhafte Schwellenanordnung gesetzt, in der Struktur und Antistruktur aufeinandertreffen. Liminalität erscheint hier als Zustand erhöhter Instabilität, in dem bestehende Ordnungen sich neu formieren. Was im Raum geschieht, ist weniger Enthüllung als Reorganisation. Wahrnehmung wird gespiegelt. Antistruktur wirkt als Moment einer dynamischen Entwicklung. Spürbar bleibt eine operative Logik, die beobachtet, selektiert und rückkoppelt – eine Organisation von Information, in der individuelle Erfahrung und gesellschaftliche Prozesse ineinandergreifen. In dieser Verdichtung werden Mechanismen sichtbar, die auch gegenwärtige soziale Wirklichkeiten prägen: die algorithmische Organisation von Information, die Produktion von Sichtbarkeit und die Verschiebung von Deutungshoheit. Systemisch angelegt, untersucht „Die Tür“ die Bedingungen, unter denen Erfahrung und gesellschaftliche Wirklichkeit sich wechselseitig hervorbringen und verändern.Aus dem Filmhaus-Text, Februar 2026 Die Grundform dieser Anordnung ist so alt wie die Kulturgeschichte: der Übergangsritus. Trennung, Schwelle, Rückkehr. An der Schwelle begegnet der Mensch dem, was eine bestehende Ordnung gewöhnlich unter der Oberfläche hält. Die Begegnung hat einen Preis. Sie verändert denjenigen, der hindurchgeht. Doch was auf der anderen Seite entsteht, lässt sich nicht im Voraus bestimmen. Auch während des Drehs gab es deshalb keine fertige Formel für die endgültige Gestalt des Films. Situationen wurden vorbereitet und inszeniert, zugleich aber für die Wahrnehmungen, Bewegungen und Entscheidungen der Beteiligten offengehalten. Die neue Struktur sollte sich nicht beliebig, sondern organisch aus dem gesetzten Rahmen heraus bilden. Darin liegt die Autorschaft dieses Films: nicht im vollständigen Diktat jedes Satzes und jeder Bewegung, sondern im Entwerfen, Setzen und Halten eines Rahmens, der sich durch viele Hände entfalten konnte, ohne seine Gestalt zu verlieren. Die internationale Einreichung und Reise des Films war von Beginn an Teil dieses ethnologisch-kulturvergleichenden Ansatzes. Die Erfahrungsanordnung endete nicht mit dem Schnitt. Sie setzte sich dort fort, wo der Film auf unterschiedliche kulturelle Räume und Sehgewohnheiten traf. Ein Werk, das seine Bilder nicht auf eine einzige Deutung festlegt, wird an jedem Ort anders gelesen. Diese Unterschiede sind keine Missverständnisse, sondern Befunde. Die Lesarten, die im Ural entstanden, waren andere als jene in Ostwestfalen – und beide waren kulturell, biografisch und gesellschaftlich grundiert. Der Film wurde unter anderem beim Ural Shorts Festival und beim Gütersloher Filmfestival ausgezeichnet. Entscheidend waren dabei nicht allein die Preise, sondern die Begegnungen, Gespräche und unterschiedlichen Reaktionen auf dieselben Bilder. Der Austausch mit Kulturakteuren im Ural, in Ostwestfalen und an weiteren Orten war kein Beiwerk der Festivalreise, sondern ihre Ernte. Der Film lädt dazu ein, eine eigene Sichtweise zu entwickeln – und sie zugleich als Sichtweise zu erkennen. Wir sehen die Welt nicht voraussetzungslos. Bedeutung liegt nicht in einer Information allein. Sie entsteht in der Beziehung zwischen dem, was uns begegnet, und der Perspektive, aus der wir es wahrnehmen. Dass dieser Stoff aus unserer Gegenwart hervorgegangen ist, ist kein Zufall. Der Übergang ist zu einer ihrer grundlegenden Erfahrungen geworden: politisch, wenn Ordnungen ihre Bindungskraft verlieren, ohne dass eine neue bereits trägt; kulturell, wenn Erzählungen, Identitäten und Zugehörigkeiten in Bewegung geraten; ökologisch, wenn Systeme Schwellen erreichen, hinter denen eine Rückkehr zum vorherigen Zustand nicht mehr möglich ist. Unsere Gesellschaften verfügen über zahlreiche Verfahren des Eintritts und des Aufbruchs: Bewerbungen, Auswahlprozesse, Grenzen, Tickets, Aufnahme- und Übergangsrituale. Für die Rückkehr, für das wirkliche Ankommen und für die Anerkennung dessen, was ein Mensch durchlaufen hat, fehlen uns dagegen häufig die Formen. Die Tür handelt nicht unmittelbar von den Krisen der Gegenwart. Der Film handelt von ihrer Grundform: von der Schwelle, ihrem Preis und dem stillen Ende eines Weges, an dem niemand mehr wartet.
Der Film erklärt sich nicht. Er begegnet.
Seine Bedeutung entsteht zwischen Bild und Erfahrung.
Ein Film von Artur Klassen mit Andrew Chadwick, Jo Eckert, Erwin Grosche, Niclas G. Icewood, Romina Markmann, Ida Meinold und Manuela Stüßer — entstanden im Rahmen des Digital Cinema Projekts des Filmhaus Bielefeld. Konzept, Regie & MusikArtur KlassenDrehbuchMirjam Kergl, Artur Klassen, Jo Eckert, Sebastian WolthausProduktionFilmhaus Bielefeld e. V., Jörg Erber, Lena Westermann — Kurzfilmworkshop Digital CinemaDrehorte (Bielefeld)Stillgelegtes Druckhaus des Westfalen-Blatts · Wald an den Sieben Teichen in Brake · Artcenter Bielefeld, Dachboden
Vollständige CreditsDrehbuchJo Eckert, Mirjam Kergl, Artur Klassen, Sebastian WolthausRegieArtur KlassenRegieassistenzMirjam Kergl, Sebastian WolthausAufnahmeleitungJörn van CraenenbroeckAufnahmeleitungsassistenzLeander SchroeterProduktionFilmhaus Bielefeld e. V.ProduktionsleitungJörg Erber, Lena WestermannTechnische LeitungKrischan RudolphKamera (DoP)Momo Fellmer, Leon SchäferKameraassistenzChris Heymann, Finn ElligerDITDaniel GewekeOberbeleuchterMirko HeilmannBeleuchterOliver Baesener, Sebastian RitterTonmeisterPhilipp RandtTonassistenzNatalia Ehret, Thomas TellermannScript/ContinuityDetlev HamannSet-RunnerLeander SchroeterKostümLena WestermannMaskeLilli OlenbergRequisiteAlexander HidicAusstattungStefan HubenSetbauHenning PoltrockSchnittkoordinationJuri WunderSchnittLeander SchroeterSchnittassistenzJo Eckert, Momo Fellmer, Mirjam Kergl, Sebastian RitterVFX-SupervisorMomo FellmerMusikArtur KlassenColorgradingKrischan RudolphSounddesign/TonmischungPhilipp RandtMaking-of-VideoAlexander Hidic, Leon Schäfer, Leander Schroeter, Thomas TellermannMaking-of-SchnittNatalia EhretMaking-of-FotoAlexander HidicPlakat-DesignSebastian Ritter

FACTS:
Festivals & Auszeichnungen
Gewinner — 31. Gütersloher Kurzfilmfestival
Bester Experimentalfilm — Ural Shorts, Nischni Tagil
Best Fantasy Short — Dreamers of Dreams, London
Best Director — Ukrainian Dream Film Festival

Der Film gewann in Gütersloh und wurde zugleich im Ural ausgezeichnet — die Tür öffnete sich auch zwischen den beiden Kulturräumen, in denen diese Geschichte biografisch wurzelt.


Weiterführend: Arthouse Kinos Bielefeld · Premiere im Filmhaus · Kurzfilmfestival Gütersloh

Ural Shorts — Best ExperimentalDreamers of Dreams London — Best Fantasy ShortUkrainian Dream — Best Director

STIMMEN:
„Der Begriff des magischen Realismus lässt sich hier verwenden. Das Fantastische ist keine Illusion mehr, sondern Tatsache."
Hallucinea Film Festival, Rezension 2023

Gedreht wurde im ehemaligen Druckhaus des Westfalen-Blatts — die Zeitung berichtete zur Premiere im Kino Kamera über den Film, der in ihren eigenen Hallen entstand.
Westfalen-Blatt, Juni 2023 — Artikel ansehen