FACTS:
Liminal Space — Performatives Tanztheater
Regie, Komposition, Licht & Projektionen: Artur Klassen
Tanz & Choreographie: Alina Meinold
Produktionsassistenz & Kostüm: Lena Westermann TOR 6 Theaterhaus, Bielefeld — 28.09.2024
gefördert vom Kulturamt Bielefeld
Eine junge Tänzerin auf der Schwelle zur Selbstindividuation: In einer eigens geschaffenen Projektionswelt treffen Schauspiel und Tanz auf digitale Überlagerungen, die mit Bühne und Körper interagieren. Archetypische Figuren — vom Pförtner bis zur Erdbeerprinzessin — wirken als Verkörperungen der äußeren Zustände auf das Individuum ein. Basierend auf der Ritualtheorie von van Gennep und Turner sowie C. G. Jungs Forschungen zum Ich begleitet das Stück eine selbstreflexive Reise durch tonale Klang- und Bühnenwelten. Schon beim Einlass begegneten die Besucher räumlichen Installationen rund um die Bühne — Projektionen im Loop auf halbtransparenten Stoffflächen in Schwarz und Weiß. Während der Aufführung interagierte die Tänzerin mit ihren projizierten Echos und bezog das Publikum direkt ein, indem sie Requisiten verteilte — darunter Rosen.
Liminal Space ist als Anordnung entstanden, nicht als fertiges Stück: eine eigens gebaute Projektionswelt, in der Bühnenelemente ihre Oberfläche fortwährend verändern. In diesem Raum erarbeitete die Tänzerin mit der Regie eine Choreographie — und der Raum nahm ihre Bewegungen auf und gab sie als Variationen ihrer selbst zurück.Der Raum antwortet.Aus der seit 2015 entwickelten Sechs-Echos-Erzählwelt treten sechs archetypische Figuren auf die Bühne: Pförtner, Maschinist, Parvenü, Erdbeerprinzessin, Bibliothekar — und die Tänzerin selbst. Sie sind keine Gegenspieler, sondern Echos: Verkörperungen äußerer Zustände, an denen sich beobachten lässt, was an einer Schwelle geschieht.[ … ]Werktext vollständig lesenWerktext einklappenDie Grundform ist dieselbe, die auch Die Tür trägt: der Übergangsritus nach van Gennep und Turner — Trennung, Schwelle, Rückkehr —, hier verbunden mit C. G. Jungs Blick auf das Ich. Die Inszenierung ist selbst als Schwellenanordnung gebaut: Eine junge Tänzerin auf der Schwelle zur Selbstindividuation begegnet den Figuren ihrer inneren und äußeren Welt.„Die Menschheit steht in Reih und Glied und hört nicht zu, wenn du nicht ihre Hymnen singst.“Im Stück sprechen die Echos — und die Tänzerin antwortet ihnen im Tanz, nimmt eines nach dem anderen in sich auf. Was sie sagen, ist aus der Erzählwelt gewachsen:Der Parvenü„Fallen ist nicht das Ende, sondern ein Schritt in die Richtung deines Wachstums.“Der Maschinist„Das Chaos ist der Funke, die Ordnung das Feuer. Wer beides vereint, kommt in seine Kraft.“Die Erdbeerprinzessin„Macht ist wie ein Fluss — sie kann sanft fließen oder wild toben. Du allein bestimmst die Richtung.“Der Pförtner„Es gibt keine falschen Türen, nur Wege, die dich lehren.“Der Bibliothekar„Die Wahrheit liegt nicht in den Seiten, sondern in den Verbindungen zwischen ihnen.“Die TänzerinDas sechste Echo ist sie selbst.Auch das Publikum stand nicht außerhalb dieser Anordnung. Schon beim Einlass führte der Weg durch räumliche Installationen rund um die Bühne — Projektionen im Loop auf halbtransparenten Stoffflächen in Schwarz und Weiß. Während der Aufführung bezog die Tänzerin den Saal direkt ein und verteilte Requisiten — darunter Rosen.„Etwas Süßliches lag in der Luft. Ein Duft von vergilbtem Papier, Lavendel, abgestandener Asche und fermentiertem Holz durchdrang die schmalen Gänge des Dachbodenflures. Man hatte das Gefühl, alles was hier war, sei gereift.“Aus dem eigenen Prosatext zur Sechs-Echos-WeltUnd die Anordnung endete nicht mit dem Applaus. Die Aufzeichnungen der sechs Echo-Performances auf dem Dachboden des Artcenter Bielefeld wurden zum eigenen Forschungsmaterial: Aus ihrer Bewegungsanalyse entstand die Echo-Analyse — ein Instrument, das die Aufführung im Zustandsraum lesbar macht und unten auf dieser Seite direkt im Browser läuft. So setzt sich die künstlerische Arbeit in Messung und Modellbildung fort; 2026 kehrten die Echos als Fassadenprojektionen der Nachtansichten in den Stadtraum zurück.Die Schlussworte des Stücks: „Im Herzen entsprungen, im Geiste unsterblich geworden.“Eine Arbeit von Artur Klassen mit Alina Meinold (Tanz & Choreographie) und Lena Westermann (Produktionsassistenz & Kostüm) — TOR 6 Theaterhaus Bielefeld, 28.09.2024, gefördert vom Kulturamt Bielefeld.Regie, Komposition, Licht & ProjektionenArtur KlassenTanz & ChoreographieAlina MeinoldProduktionsassistenz & KostümLena WestermannAufführungTOR 6 Theaterhaus, Bielefeld · 28.09.2024FörderungKulturamt BielefeldIm Austausch mitArtcenter Bielefeld · Medienwerkstatt Minden-Lübbecke · Filmhaus Bielefeld
Standbilder · Die Echo-PerformanceDie sechs Echos in ihren Performances auf dem Dachboden des Artcenter Bielefeld — die Tänzerin als Bewegungsserie
Forschung · Echo-AnalyseAus der Aufführung wird Messung — die Bühne als Versuchsanordnung
Die Arbeit wurde wissenschaftlich ausgewertet — Grundlage sind die Aufzeichnungen der sechs Echo-Performances auf dem Dachboden des Artcenter Bielefeld. Aus ihrer Bewegungsanalyse ist ein Instrument entstanden — alle sechs Echo-Rollen als Bewegungsanalyse zum Selbst-Erkunden, direkt im Browser. Besucher können auch ein eigenes Video analysieren lassen; die Messung läuft vollständig lokal, nichts wird hochgeladen.Bewegungsanalyse in den Arbeitsproben · Echo-Analyse im eigenen Fenster · Projektblatt (PDF, 2022) · Eventseite des Theaterlabors